Blick auf den Strand

Mein Zuhause auf Zeit

Lieblingsfrühstück

Öllampe

Farbenfrohe vegetarische Mahlzeiten

Sightseeing a taste of India Hindutempel

Selfie mit Tänzerinnen

Abschiedsfoto mit meinen beiden Ayurveda-Therapeutinnen

Angekommen im Paradies

Nach einem Nachtflug lande ich morgens in Trivandrum, der Hauptstadt von Indiens südlichstem Bundestaat Kerala und der Heimat des Ayurveda. Es ist 10:00 Uhr morgens und bereits 29 Grad als mich der Fahrer des Resorts am Flughafen in Empfang nimmt. Eine kurzweilige 30-minütige Autofahrt später – vorbei an geschäftigen, bunten Treiben auf den Straßen mit farbenfrohen Plakaten, Läden und Straßenständen, geschmückten Tempeln und Schulen, Palmen und tropischem Grün, stetig und laut hupenden Tuk-Tuks, Motorrädern und Autos – komme ich im Manaltheeram Ayurveda Resort an. Hier werde ich herzlich empfangen und kann direkt mein „Zimmer“ beziehen. Mein Zuhause für die nächsten 2,5 Wochen ist ein kleiner Bungalow mit palmenbedecktem Dach, einer Terrasse und Hängematte davor und Blick aufs Meer. Ich bin etwas müde vom Flug, aber überglücklich hier zu sein! Nach einer kleinen Stärkung im offenen Speisesaal mit Blick auf den tropischen Garten geht es für mich zur Arztkonsultation ins Ayurveda Zentrum. Dort erwartet mich ein langer Fragebogen und ein ausführliches Interview auf Englisch mit den beiden Ayurveda-Ärzten, die mich während meiner Reinigungskur betreuen werden. Beide nehmen sich viel Zeit, um sich ein genaues Bild von mir und meinem Gesundheitszustand zu machen. Neben der klassischen Pulsdiagnose, Untersuchung der Zunge, Augen und Gliedmaßen, muss ich auch eine Blut- und Urinprobe abgeben. Im Anschluss erhalte ich meinen individuellen Behandlungsplan und lerne meine zwei Ayurveda-Therapeutinnen kennen, die mich in den nächsten Wochen behandeln werden. Zusätzlich bekomme ich noch ein Infopaket mit einigen Hinweisen für die Kur und einen auf mein Dosha abgestimmten Essensplan.

Los geht’s mit Ayurveda

Meine ayurvedische Detox & Reinigungskur, Panchakarma die Königsdisziplin des Ayurveda, beginnt. Ab sofort stehen täglich 2-2,5 Stunden ayurvedische Behandlungen auf dem Programm: Fast jeden Tag eine wohltuende Kopf-, Rücken- und Ganzkörpermassage mit warmen Öl, oft 4-händig. Dann eine tagesspezifische Behandlung wie z.B. eine Kräuter-Stempel-Massage oder ein Bad mit warmem Öl, das mir in gleichförmigen Bewegungen über den Körper gegossen wird und der klassische mega-entspannende Stirnguss. Zum Abschluss oft eine Gesichtsmassage und -packung. Dank der wohltuenden Massagen mit Unmengen an Öl (was Vata besänftigt, das nach Flugreisen oft ins Ungleichgewicht kommt) verspüre ich so gut wie keinen Jetlag. Das in der hauseigenen Manufaktur hergestellte Kräuteröl ist individuell auf meine Konstitution abgestimmt und wird in der Kur auch immer mal wieder angepasst.

Alltag im Ayurveda Ressort

Schnell gewöhne ich mich an den Alltag im Ayurveda Resort. Es ist Luxus pur sich um gar nichts kümmern zu müssen, weder einkaufen, kochen noch putzen – man wird grandios umsorgt und das gesamte Personal ist sehr herzlich und freundlich, egal ob es die Ärzte und Therapeuten sind, die Kellner, das Housekeeping oder die Gärtner. Frühmorgens nach Sonnenaufgang weckt mich Musik des nahegelegenen Shiva-Tempels (denn wie ich von meiner Ayurveda Ärztin lerne „Gott steht früh auf“). Vor dem Frühstück gehe ich am traumhaft schönen Strand spazieren, sehe den Wellen und Fischern zu oder mache ein paar Sonnengrüße im Garten und gehe zur Meditation im Yogaraum. Anschließend nehme ich mein Frühstück gemeinsam mit anderen Gästen im offenen Restaurant ein. Alle Mahlzeiten werden frisch zubereitet und als Buffet serviert. Kleine Schilder an den köstlichen, vegetarischen Gerichten geben Orientierung, was für welches Dosha geeignet ist (Wahlweise kann man auch a la carte bestellen). Anschließend gehe ich zur täglichen Arztkonsultation, wo mein Befinden gecheckt und die Behandlung besprochen wird. Dann werde ich von meiner Therapeutin abgeholt und in einen der Behandlungsräume geführt. Nachdem ich mich umgezogen habe, dimmt sie das Licht, entzündet die Öllampe auf einem kleinen Altar und singt ein kurzes Gebet für eine gute Behandlung. Dieses tägliche Ritual stimmt mich ebenfalls darauf ein und ich gebe mich der Magie des Ayurveda hin. Auch wenn nicht alle Anwendungen angenehm sind, fühle ich mich wunderbar aufgehoben. Nach der Behandlung bekomme ich eine frische Kokosnuss zu trinken und werde erneut gefragt wie es mir geht. Nun heißt es 1 Stunde ruhen, bevor ich duschen darf. Ich lege mich in meine Hängematte und genieße den Ausblick auf den indischen Ozean. Und dann ist es auch schon Zeit zum Mittagessen. Hungrig begebe ich mich an das köstliche vegetarische Buffet und genieße ganz ayurvedisch meine größte Mahlzeit des Tages. Mein Körper findet die täglichen Mahlzeiten im gleichen Rhythmus ganz wunderbar und signalisiert das durch zuverlässiges Hungergefühl zu den Essenszeiten. Die Nachmittage bieten mir Zeit um am Pool zu lesen und ich liebe es dabei die Tiere der Umgebung zu beobachten: Vögel wie freche, krächzenden Krähen, aber auch farbenfrohe Kingfisher, Fischadler im Gleitflug, rumstolzierende Pfauen oder flirrige Kolibiris, daneben indische Streifenhörnchen und Iguanas. Alternativ kann man auch wunderbar im Schatten eines Sonnenschirms am Strand dösen, während einem die warme Meeresbrise über die Haut streicht. Ich lerne nette andere Gäste kennen und führe tolle Gespräche am Pool, beim Essen, selbst im Wartezimmer vor der Arztkonsultation. Gemeinsam unternehmen wir ab und zu Ausflüge in die nähere Umgebung, z.B. eine Bootstour durch die Backwaters, Sightseeing in Trivandrum, Spaziergänge zum nahe-gelegenen Shiva Tempel, einen Tuk-Tuk Ausflug in ein Ashram und zu einem Elefanten-Rehabilitationscenter. Ich muss mich bremsen, nicht noch mehr Sightseeing Programm in meine Tage zu packen, denn mein Fokus liegt klar auf der Kur. Spätnachmittags gehe ich öfters noch zum Yoga und am Abend genieße ich wie viele Einheimische den Sonnenuntergang am Strand. Ein köstliches Abendessen unter dem Sternenhimmel in netter Gesellschaft rundet den typischen Tag ab, bevor ich gegen 22 Uhr in meinem kleinen Bungalow unter einem Moskitonetz zum Meeresrauschen einschlafe.

Der Ablauf der Panchakarma Kur

Die erste Woche dient der Vorbereitung auf den Reinigungs-, dh. Abführtag. Durch die Ölmassagen wird der Körper angeregt Giftstoffe und Schlacken (im Ayurveda Ama genannt) zu mobilisieren. Zusätzlich darf ich einige Tage Ghee trinken (täglich ein kleiner Becher), um innerlich die fettlöslichen Gifte in den Magen-Darm-Trakt zu bringen. Als Folge der körperlichen Entgiftung habe ich die ersten Tage Kopfschmerzen und Hautunreinheiten. Dank der paradiesischen Umgebung und der Herzlichkeit der Menschen (ob im Ressort oder außerhalb) fühle ich mich dennoch sehr wohl und ertrage die Kopfschmerzen gut gelaunt. Am Abführtag selbst nehme ich einige Zeit nach einem kleinen, leichten Abendessen mein Abführmittel mit warmem Wasser ein – in meinem Fall Kräuter-Ghee. Bevor ich schlafen gehe, trinke ich heißes Wasser, bewege mich etwas und lese. Gegen 1 Uhr Nachts zeigt das Abführmittel Wirkung, ich wache mit Magengrummeln auf. Ich zähle die Toilettengänge, beobachte die Konsistenz und trinke zwischendurch immer wieder heißes Wasser. Dies erscheint uns eher ungewöhnlich, ist im Ayurveda jedoch ganz normal. Denn die Dauer des Abführens, Anzahl der Toilettengänge und Beschaffenheit der Ausscheidungen gibt den Ärzten eine Indikation über den Verlauf der Reinigung. Als ich bei der Arztkonsultation am nächsten Tag von meiner Reinigung berichte, erhalte ich ein großes Lob “Good cleaning”. Der Arzt ist zufrieden. Ich bin noch etwas matt und bekomme Schonkost, um mein Agni bzw. Verdauungsfeuer wieder langsam anzukurbeln. Während des Tages gibt es eine einfache Reissuppe mit Salz und am Abend Reis und gedünstetes Gemüse. Es ist unglaublich wie lecker eine gedünstete Karotte schmecken kann, nachdem man gereinigt ist. Eine richtige Geschmacksexplosion! Dennoch bin ich (v.a. mein Kapha-Anteil) froh, dass ich am nächsten Tag wieder normal essen darf. In den nächsten Tagen folgen weitere Reinigungsverfahren, u.a. Basthi (ein Öl-Einlauf, der den Enddarm reinigt und nährt – gut für Vata), Nasya (mit Kräutern versetztes Öl, das mir in die Nase geträufelt wird und Niesreiz verursacht – gut für Kapha), ein Augenbad mit mediziniertem Ghee (gut für Pitta). Die letzte Woche steht dann unter dem Motto des Aufbaus. Es geht darum den Körper, der nach der Reinigung wie ein “rohes Ei” ist, wieder zu stabilisieren und aufzubauen. Für mich bedeutet das neben den üblichen Öl-Massagen, aktivierende Kräuterstempel-Massagen und Kräuter-Peelings, um den Stoffwechsel anzukurbeln. Meine absolute Lieblingsbehandlung ist Shirodara, der Stirnguss. Es ist unglaublich entspannend in einem gleichmäßigen Flow warmes Öl auf die Stirn gegossen zu bekommen. Es beruhigt meinen Geist ungemein, meine Gedanken stehen still und ich komme in einen tiefen Zustand der Entspannung irgendwo zwischen Wachen und Schlafen. An meinem letzten Tag bekomme ich den Stirnguss sogar mit kühlender Kräutermilch. Für mich ist die letzte tiefe Entspannung ein krönendes Abschlussgeschenk. Vor der Abreise erhalte ich auch noch eine ausführliche Abschlusskonsultation, in der mein Zustand am Ende der Kur evaluiert wird und ich Empfehlungen zur Ernährung und Inspiration, wie ich den ayurvedischen Lebensstil zu Hause weiter verfolgen kann.

Resümee

Panchakarma ist kein Wellness Urlaub und schon gar kein klassischer Urlaub, bei dem man viel Sightseeing und Programm hat, sondern eine intensive Reise zu Dir selbst. Und sie tut ungeheuer gut. Man entgiftet dabei auf allen Ebenen körperlich und mental-emotional – ein ganzheitliches Detox, super um zu entschleunigen, die eigenen Batterien wieder aufzuladen und auch Impulse für die Genesung von vielen körperlichen Leiden zu erhalten. Am Ende meiner Kur bin ich erholt, glücklich und sehr dankbar für die wundervolle Zeit hier. Für mich war es die perfekte Kombination aus authentischem Ayurveda, Ruhe und Zeit für mich und gleichzeitig der Möglichkeit in angenehmer Gesellschaft etwas von Südindien zu sehen. Ich fühle mich leichter, weil ich alten Ballast abgeben habe (körperliche Schlacken, 3kg Gewicht, aber auch Emotionen, die mir nicht mehr dienen). Gleichzeitig bin ich auch etwas traurig, dass ich wieder nach Hause muss und meine neuen Freunde zurücklasse. Aber ich weiß, meine nächste Panchakarma-Reise kommt bestimmt, da bin ich mir sicher und bekennender Wiederholungstäter!

TIPPS ZUR REISEPLANUNG

  • Wer authentisches Ayurveda im Ursprungsland erleben will ist in Südindien/ Kerala  sehr gut aufgehoben. Hier gibt es viele Angebote.
  • Bei der Suche nach einem für dich geeigneten, qualitativ hochwertigen Angebot ist ein kompetenter Reisepartner sehr empfehlenswert, z.B. ein Reiseanbieter, der sich auf Ayurveda Reisen spezialisiert hat und Dich bei der Auswahl beraten kann Ich persönlich kann Neue Wege sehr empfehlen, über die ich meine Reise gebucht habe.
  • Eine Ayurvedakur sollte mindestens 2 Wochen umfassen, für Panchakarma eher länger. Preislich muss man in Indien mit etwa 3000 € für 2-3 Wochen Kur rechnen.
  • Es ist günstig den Körper bereits vor und nach der Kur etwas darauf einzustimmen. Dies sollte Bestandteil der Reiseplanung sein und wird von guten Ayurveda-Anbietern mit berücksichtigt.
  • Wer rund um seine Kur noch etwas mehr von Indien sehen, reisen, Land & Leute kennen lernen will, sollte das vor der Kur tun, nicht im Anschluss.
  • Wer sich mit feucht-heißem Klima schwer tut, sollte lieber im Dezember/Januar nach Südindien reisen, wenn die Temperaturen etwas angenehmer  sind. Wer kühlere Temperaturen bevorzugt und sich die weite, anstrengende Anreise sparen will, findet auch in Europa und Deutschland tolle Angebote (diese sind meist jedoch etwas teuerer).

Zurück im Alltag – was nun?

Eine Ayurveda Kur bietet einen super Ausgangspunkt, um das neu gewonnene Körpergefühl, die gesunden Essensgewohnheiten, Entspannung etc. auch zuhause beizubehalten. Meine Tipps, wie du dran bleiben und ayurvedische Gewohnheiten einfach in deinen Alltag bringen kannst, findest Du in diesem Blogbeitrag und mehr dazu auch in der “Da ist Gold drin”- Podcast-Folge, bei der Dana mich dazu interviewed hat. Daneben haben wir noch ein großartiges Goodie für alle Hörer dieser Podcast Folge, die schon immer mit einer Ayurvedareise geliebäugelt haben: Ihr bekommt 10% Rabatt auf den Gesamtreisepreis, wenn ihr eine Ayurvedareise über unseren Kooperationspartner Neue Wege Reisen bucht und bei Eurer Buchungsanfrage das Stichwort “Ichgold” angebt. Den Code könnt ihr bei eurer ersten Ayurveda-Kur Buchung noch bis Ende Juni bei Neue Wege einlösen.

Über die Autorin

Bei Stephanie lernst Du wie Du die ayurvedischen Prinzipien trotz hohem Perfektionsanspruch und sogar in einen stressigen Berufsalltag in einem Großkonzern integriert bekommst. Sie macht die manchmal verrückt erscheinenden Gewohnheiten für Dich verständlich und vor allem die Umsetzung realistisch. Als Ayurveda Lifestyle Coach (i.A.) und Team-Mitglied der Ichgoldfamilie ist es ihre Absicht Ayurveda möglichst leicht verdaulich an den Mann (und die Frau) zu bringen. Seid 2016 ist sie bei Ichgold mit an Bord und im Team, so wie in den Kursen „Tellergold“ und dem „Ichprojekt“ mit ihrem strategischen Pitta und dem liebevollen Kapha nicht mehr wegzudenken.